Wuppertal die FC Bayern des Snookers in München 2010

Wuppertal die FC Bayern des Snookers in München 2010

Und dann kamen die ersten Verlustpunkte. 2010, als auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und die Aschewolke über Europa ein Flugchaos anrichtete, wollten auch die Wuppertaler Snookerspieler zum Auswärtsspiel nach München fliegen. Die Reise endete im Chaos, einige Spieler trafen zu spät in der Halle in München ein, dem Team wurden die Punkte am Grünen Tisch aberkannt. Ärgerlich, denn zwei Jahre lang war der BBF Wuppertal zuvor ohne jeden Punktverlust geblieben.

Die Dominanz der Wuppertaler Mannschaft, die zunächst unter dem Namen Barmer Billardfreunde, später als BBF Wuppertal und BSV Wuppertal 1927 antrat, war frappierend. Sechs Meistertitel in Serie gelangen der Mannschaft zwischen 2007 und 2012, dazu sieben Pokalsiege.

Mit sieben Meistertiteln sind die Wuppertaler bis heute Rekordmeister der deutschen Bundesliga. Wie das möglich war? Die Erklärung ist simpel: Der Verein hatte mehr Finanzkraft als alle Konkurrenten. Und, damit verbunden, auch die mit Abstand besten Spieler.

Die größten Namen des deutschen Snookers spielten zeitweise gemeinsam in Wuppertal. Patrick Einsle und Itaro Santos trugen das Trikot, aus England kam der Brite Mike Henson für die Spiele angeflogen, dazu dessen Landsmann Phil Barnes, der praktischerweise nicht ganz soweit reisen musste, da er in Hannover lebte. Alles Spieler, die an guten Tagen von der Leistung her sogar für die Main Tour infrage gekommen wären – und so zeichnete sich in der Liga eine erdrückende Dominanz ab.

Die zehn Punkte aus der Saison 2008/09 waren der knappste Vorsprung, mit dem die Wuppertaler in diesen sechs Jahren den Titel einheimsten, meistens waren es sogar zwölf Punkte. Es gab Leute, die nannten uns den FC Bayern des Snookers303, erzählt Daniel Alvarez, der bis heute als Vereinstrainer im Klub arbeitet. Echte Spannung kam in der Liga nur bei der Frage auf, wer das beste Team hinter Wuppertal wurde.

Finanziert wurde die Mannschaft über Sponsoren, nicht über Mitgliedsbeiträge, wie Alvarez sagt. Irgendwann wurde die Angelegenheit zum Selbstläufer, weil die Sponsoren gerne in ein Team investierten, das sowieso Deutscher Meister werden würde. Gehälter wurden den Spielern nicht gezahlt, dafür aber Reisekosten und Aufwandsentschädigungen. Bei den Gegnern waren die Wuppertaler gefürchtet, nur die Zuschauer kamen nicht. Unsere Stühle waren immer gefüllt, erinnert sich Alvarez an die erfolgreichste Zeit. Es waren jedoch nur zehn bis zwölf Stühle.

Dann war es plötzlich vorbei mit der Dominanz. Zur Saison 2013/2014 verließen einige Topspieler den Verein, auch Sponsoren brachen weg. Zudem verstärkten sich die Konkurrenten mit starken Spielern aus anderen Nationen, insbesondere der forsche Aufsteiger aus Stuttgart, der mit acht Zählern Vorsprung Meister wurde. Die große Sensation: Wuppertal wurde nur Dritter. Eine Ära war vorüber, der Zenit überschritten. In der darauffolgenden Saison stieg Wuppertal als Vorletzter ab. Ein Jahr hielt sich das Team in der zweiten Liga, ehe der Verein den höherklassigen Spielbetrieb einstellte.

Ob Wuppertal irgendwann in die Bundesliga zurückkehrt? Ungewiss. Bis dahin bleiben denen, die dabei waren, die Erinnerungen an eine Zeit, als die Leute die Wuppertaler ehrfürchtig mit dem FC Bayern verglichen.