So erkennst Du Sodbrennen bei Kindern und kannst helfen

So erkennst Du Sodbrennen bei Kindern und kannst helfen

So erkennst Du Sodbrennen bei Kindern und kannst helfen

Fast jeder Mensch kennt das unangenehme Gefühl, wenn sich nach einer fettreichen, ausgiebigen Mahlzeit oder ein paar Gläsern Wein oder Bier plötzlich ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein breitmacht. Sodbrennen ist ein Problem, dass etwa 20% der erwachsenen Bevölkerung regelmäßig kennen.

Leider taucht Sodbrennen aber auch schon im Säuglings- und Kleinkindalter auf. Aber bei Kindern – ganz besonders Babys und Kleinkindern – können die eben genannten Faktoren ja eigentlich keine Rolle spielen. Daher denken viele Eltern überhaupt nicht an die Möglichkeit, dass ihr Kind ein solches „Erwachsenenproblem“ haben könnte.

Kleinkinder und Babys können sich noch nicht so gut verständlich machen. So kann es vorkommen, dass Du und Dein Partner viele schlaflose Nächte erleben, ohne wirklich zu wissen, was Deinem Kind eigentlich fehlt. Sodbrennen ist in solchen Fällen eine Möglichkeit, die Du in Betracht ziehen solltest.
Wir möchten Dir daher einen kleinen Ratgeber und einige Alltags-Tipps an die Hand geben, damit Du erkennen kannst, ob Dein Kind an Beschwerden durch Sodbrennen leidet. Und falls dem so ist – was Du dagegen tun kannst.

 

Wie entsteht Sodbrennen?

Unter Sodbrennen versteht man mehrere Symptome, die alle durch das Zurückfließen (Säurereflux) von saurem Mageninhalt oder Magensäure in Mund und Speiseröhre zustande kommen.

„Typische Beschwerden beim Sodbrennen sind: ein saurer Geschmack im Mund, ein brennender Schmerz im Bereich des Brustbeins, ein unangenehmes Hitzegefühl im Magen (in der Schweiz daher auch „Magenbrennen“) und häufiges – unerklärliches – Husten. Leider ist Sodbrennen bei Kindern öfter zu beobachten, als man gemeinhin denken könnte“ – erläutert Andrea Werner vom Gesundheitsportal sodbrennenhausmittel-tipps.de, wo das Thema detailliert behandelt wird.

Es gibt ein wichtiges „Ventil“, welches die Nahrungsaufnahme von der Speiseröhre in den Magen zulässt, aber im Normalfall den Rückweg verschließt. Funktioniert dieser sogenannte Magenschließmuskel (oder medizinisch: Ösophagussphinkter) nicht wie er soll, dann kann es leicht zu einem Rückfluss des sauren Magensaftes in die Speiseröhre kommen. Unser Magen ist für dieses saure Milieu ausgelegt, die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre ist es nicht. Es kommt zum typisch brennenden Schmerz, dem Sodbrennen.

 

Wie bekommen Kleinkinder und Säuglinge Sodbrennen?

Wie eingangs schon erwähnt sind bei Erwachsenen Dinge wie Stress, eine falsche Ernährung, oder eine generell ungesunde Lebensweise (Alkohol, Kaffee, Nikotin, Süßigkeiten, wenig Bewegung usw.) häufige Ursachen für die „Lockerung“ des Magenschließmuskels und damit für wiederkehrendes Sodbrennen. Bei Kleinkindern und Babys sind aber diese Ursachen fast ausgeschlossen. Wie kann es also passieren, dass selbst Säuglinge bereits unter Sodbrennen-Symptomen leiden können?

Viele der Gründe für Sodbrennen bei Kindern sind einfach entwicklungsbedingt:

  • Anatomie: Der beim Kleinkind und Baby vergleichsweise kleine Winkel zwischen Magen und Speiseröhreneingang begünstigt den Rückfluss von Säure.
  • Reife des Magenschließmuskels: Entwicklungsbedingt „lockert“ sich der Magenschließmuskel bei kleinen Kindern zeitweise, weil dieser einfach noch unausgereift ist.
  • Schlafen und Essen: Kleinkinder und besonders Säuglinge verbringen einfach noch viel Zeit ihres Tages mit Dingen, die Sodbrennen generell begünstigen, namentlich: Sie schlafen sehr viel und wenn sie gerade nicht schlafen, nehmen sie oft Nahrung zu sich.
    • Die Liegeposition vereinfacht den Rücklauf von Säure deutlich, im Vergleich zur aufrechten Position (Säure läuft leichter seitwärts, als dass sie nach oben steigt).
    • Ein voller Magen hingegen produziert Druck auf den Magenschließmuskel und fördert so das ungewollte Öffnen dieses Ventils.
  • Andere Auslöser: Ansonsten gilt für Kinder natürlich das Gleiche in Bezug auf Sodbrennen, wie für Erwachsene. Sehr fett-, säure-, zuckerreiches oder scharfes Essen und Trinken kann genau wie bei Erwachsenen zu Sodbrennen führen. Auch Passivrauchen beeinflusst – neben den vielen anderen negativen Auswirkungen – die Funktion des Magenschließmuskels negativ.

Auch ein sogenannter sekundärer Reflux kommt vor, wenn auch seltener. Diese Art von Säurereflux wird durch andere Vorerkrankungen ausgelöst, wie beispielsweise einen Zwerchfellbruch.
Die allermeisten Ursachen von kindlichem Sodbrennen sind aber tatsächlich entwicklungsbedingt und wachsen sich meist aus, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Elterliche Diagnose von kindlichem Sodbrennen

Gerade bei Säuglingen, aber auch bei Kleinkindern ist das Erkennen und die sichere Diagnose von Beschwerden oftmals gar nicht so einfach. Wie kannst Du also ein mögliches Leiden an Sodbrennen von anderen Beschwerden unterscheiden?

Dein Kind kann sich einfach noch nicht so gut ausdrücken. Einem Baby steht neben dem unspezifischen Schreien und Weinen noch die Körpersprache zur Verfügung. Bei Kleinkindern kommen eventuell einige wenige Worte hinzu.

Für das kindliche Sodbrennen existieren jedoch typische Anzeichen. Wenn Du darauf achtest, kannst Du ziemlich sicher sein.

 

Reflux erkennen beim Säugling

Wie eben erwähnt sollte man bei Säuglingen besonders auf die Körpersprache, sowie „situative Anzeichen“ achten.

Aber was heißt das konkret?

Wie eingangs erwähnt, verbringen Babys viel Zeit mit Schlafen und Essen. Beides sind Dinge, die Sodbrennen begünstigen können. Achte also in diesen Situationen besonders auf das Verhalten Deines Babys.

  • Beschwerden bei Nahrungsaufnahme: Wird das Baby besonders beim Stillen unruhig? Eventuell leidet Dein Kind unter Sodbrennen. Es hat Hunger, aber die Nahrungsaufnahme bereitet ihm Schmerzen.

Typische Anzeichen für Sodbrennen sind:

  • verweigerte Nahrungsaufnahme trotz Hunger
  • sehr sensible Reaktion bei säurehaltigen Getränken und Speisen
  • Schreien und generelle Unruhe rund um Stillzeiten
  • Beschwerden in liegender Position: Schreit das Kind beim Hinlegen oder leidet unter Schlafstörungen? Wie oben erwähnt, begünstigt die horizontale Lage den Säurereflux. Schlafstörungen und lange Nächte auch für die Eltern können die Folge sein.
  • Schlafstörungen / unerklärlich unruhige Nächte
  • Schreien beim Hinlegen
  • Kind schreit unerklärlich und ist durch Nichts zu beruhigen

 

Reflux erkennen beim Kleinkind

Die kommunikativen Fähigkeiten eines Kleinkindes sind schon deutlich ausgeprägter, als die eines Babys. Das macht den Eltern die Diagnose von Beschwerden, wie Sodbrennen, schon etwas leichter. Trotzdem bleibt es für Dich als Elternteil natürlich schwierig, ein unspezifisches „Aua“ konkret und richtig zu diagnostizieren.

Typische Anzeichen für kleinkindliches Sodbrennen sind folgende:

  • Kind schreit ohne ersichtlichen Grund
  • Kind hat auffälligen und stetigen Mundgeruch
  • Kind nimmt kaum zu
  • Kind verschluckt sich ungewöhnlich oft
  • Kind hat häufig Schluckauf
  • Kind klagt über unerklärliche Heiserkeit und Husten

Wichtig für Dich als Elternteil ist es, immer den Gesamtkontext im Auge zu behalten und die die Symptome entsprechend zu beurteilen.

Ein Schluckauf kann auch einfach ein Schluckauf sein, ein Kind kann mal Mundgeruch haben und eine ausbleibende Gewichtszunahme kann viele Gründe haben, oder auch gar kein Problem darstellen.

Ergründe am besten im Gespräch mit deinem Kind, ob es sich unwohl fühlt, falls das möglich ist. Ansonsten achte wie gesagt auf die genauen Umstände und Häufung der Anzeichen. Wenn Dein Kind oft um die Essens- und Schlafenszeit herum unruhig ist oder Beschwerden zu haben scheint, solltest Du Sodbrennen als eine Möglichkeit betrachten.

 

Wann muss ein Kind wegen Sodbrennen zum Arzt?

Wenn Du erstmal relativ sicher bist, dass Dein Kind vielleicht an Sodbrennen leidet, was kannst Du dann tun?

Zu allererst: Keine Panik! Viele Eltern wollen für ihr Kind natürlich nur das Beste und verfallen sofort in „blinden Aktionismus“. Man muss ja schließlich irgendetwas tun, oder? Ist ein Arztbesuch sinnvoll – oder was kann man sonst tun?

  • Arztbesuch:
    • Schaden kann es prinzipiell nicht, den Arzt aufzusuchen, aber sinnvoll ist es nicht immer.
    • Potentiell setzt Du Dein Kind einer gewissen Ansteckungsgefahr durch die Patienten in der Arztpraxis aus, vom vielleicht unnötigen Stress durch lange Wartezeiten ganz abgesehen.
  • Abwarten:
    • Das Standardwerk zu kindlichem Sodbrennen von Vandenplas besagt, dass fast zwei Drittel der kleinen Kinder mit Refluxbeschwerden bis zum 18. Lebensmonat, ohne Behandlung völlig beschwerdefrei sind.
    • Falls die beobachteten Beschwerden des Kindes erträglich sind, kann es durchaus eine Option sein, einfach abzuwarten. Wie erwähnt, sind viele der Ursachen für kindliches Sodbrennen durch das jeweilige Entwicklungsstadium bedingt und „verwachsen“ sich später automatisch.

 

Hausmittel gegen Sodbrennen beim Kind

Wenn Du nicht gleich zum Arzt willst, aber auch nicht einfach abwarten möchtest, gibt es durchaus einige einfache Hausmittel, mit denen Du die Sodbrennen-Symptome Deines Kindes einfach lindern kannst.

 

Mehrere kleine Mahlzeiten gegen Sodbrennen

Opulente Mahlzeiten und der damit verbundene volle Magen belasten den Magenschließmuskel und setzen diesen unter Druck. Verschiedene, über den Tag verteilte, kleinere Mahlzeiten helfen hier vielleicht schon. Gib Deinem Kind einfach kleinere Portionen, dafür häufiger, als bei der klassischen Mahlzeitenverteilung von Frühstück, Mittagessen und Abendbrot.

 

Gesunde Ernährung gegen Sodbrennen

Sogenannte Säurelocker, wie Süßigkeiten, sehr fettreiche, säurehaltige oder stark gewürzte Nahrungs- und Genussmittel sind typische Auslöser für Sodbrennen-Beschwerden.
Übertreibe es also am besten nicht mit Schokolade, Cola und Fast Food. Aber selbst eigentlich gesunde Nahrungsmittel, wie Zitrusfrüchte oder Tomaten gehören in die Gruppe der Säurelocker.
Bei Säuglingen liegt es eventuell am Milchpulver. Ein Wechsel kann manchmal Wunder wirken.

 

Schlafen auf linker Körperseite hilft bei Sodbrennen

Es klingt komisch, aber der „Eingang“ zur Speiseröhre liegt anatomisch gesehen auf der rechten Seite unseres Körpers. Wenn Du Dein Kind beim Einschlafen auf die linke Körperseite drehst, verringerst Du die Chance für den Rückfluss der aggressiven Magensäure.

 

Erhöht Schlafen bei Sodbrennen

Wenn Dein Kind einen auffällig unruhigen Schlaf hat, dann versuche am besten die Schlafposition leicht zu erhöhen, um den Säurereflux physisch zu erschweren.
Schon ein kleines Zusatzkissen, oder das leichte Hochstellen der Babymatratze helfen normalerweise.

 

Wasser oder Tee trinken lindert Sodbrennen bei Kindern

Biete Deinem Kind einfach etwas handwarmes stilles Wasser an, oder brühe einen Früchtetee. Diese simplen Getränke spülen die gereizte Speiseröhre sauber und erhöhen zusätzlich den pH-Wert im Magen und neutralisieren dadurch die überschüssige Säure.

Eine Studie hat sogar gezeigt, dass einfaches Wasser deutlich schneller und nebenwirkungsfreier gegen Sodbrennen hilft, als alle bekannten Medikamente gegen Sodbrennen.

 

Nuckel/Schnuller oder Kaugummi helfen dem Kind bei Sodbrennen

Ein weiteres sehr einfaches Hausmittel ist es, Deinem Kind einfach den Schnuller anzubieten. Oder ab einem gewissen Alter kann man natürlich auch einen Kaugummi geben.
Beides regt die Produktion von Speichel an und dieser säubert die angegriffenen Stellen in der Speiseröhre, neutralisiert die Säure und mindert so die Sodbrennen-Symptome.

 

Resumee – Sodbrennen bei Kindern

  • Sodbrennen wird bei Kindern als mögliche Quelle von Beschwerden oft unterschätzt.
  • Spezifische Anzeichen und situative Umstände geben Eltern jedoch sichere Hinweise auf Sodbrennen.
  • Sollte das Kind tatsächlich unter Sodbrennen leiden, schadet ein Arztbesuch prinzipiell nicht.
  • Allerdings gibt es doch bestimmte Risiken und ein solcher Kinderarztbesuch ist nicht immer nötig.
  • Abwarten kann durchaus eine realistische Option sein, mit kindlichem Sodbrennen umzugehen.
  • Ansonsten gibt es einige einfache Hausmittel, mit denen Du Deinem Kind schnell gegen Sodbrennen helfen kannst, wie: Wasser, Schnuller, kleine Mahlzeiten oder linksseitiges Schlafen.

Das Problem von kindlichem Sodbrennen ist deutlich verbreiteter, als man denken sollte. Hoffentlich helfen Dir unsere Ratgeber-Tipps, Symptome frühzeitig zu erkennen und Dein Kind vor unnötigen Schmerzen zu bewahren.