Corona – nur eine der Krankheiten des deutschen Bildungssystems

Corona - nur eine der Krankheiten des deutschen Bildungssystems

Corona – nur eine der Krankheiten des deutschen Bildungssystems

Man sagt: “Sei vorsichtig, was du dir wünscht; denn es könnte in Erfüllung gehen!” Ein lange gehegter Wunsch vieler Schüler ging im Corona-Jahr in Erfüllung. Die Schulen wurden geschlossen. Viele Eltern allerdings, die sich gezwungen sahen, ihre Kinder auf ihrem schulischen Weg zu unterstützen, trieb das an die Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit. Trotzdem machte diese Krise nur deutlich, was das Bildungssystem bisher hinter verschlossenen Türen halten konnte.

 

Digitalisierung der Schulen

Der Lockdown hat offenbart; wie sehr die Digitalisierung der Schulen noch in den Kinderschuhen steckt. In Bayern brach die Plattform Mebis gleich am ersten Tag zusammen. Obwohl man offiziell von einem Hacker-Angriff sprach, vermuten viele Experten, dass schlicht zu viele Nutzer auf einmal auf das System zugriffen. Inwieweit Hardware oder Software für den Online-Unterricht zur Verfügung stand, hing einerseits von der Ausstattung der Familien ab, denn manche Familien haben sowohl einen Computer wie einen Drucker und andere nur ein Handy, auf dem Arbeitsblätter schwierig zu erkennen sind. Doch auch die Schulen verließen sich andererseits weitgehend auf die privaten Geräte der Lehrer.

Auf Privatrechnern befinden sich selbstverständlich keine Programme zur Erstellung von professioneller Lernsoftware. Diese stehen nicht einmal den Schulen selbst zur Verfügung, denn viele Haushaltsmittel sind in ihrer Verwendung festgelegt. So werden Whiteboards mit einem Durchschnittspreis von etwa 6000 Euro angeschafft, nur um sie dann mit Textmarkern ganz wie herkömmliche Tafeln zu beschriften, weil neben Fortbildungen dazu auch die nötigen Programme fehlen oder die Geräte nicht gewartet werden.

Home-Schooling war auch deshalb schwierig, weil vielen Schülern eine Kernkompetenz fehlt, die ein modernes Schulsystem vermitteln sollte: die Fähigkeit zur Selbstorganisation. Wenn viele Klassen vor allem in weiterführenden Schulen immer noch mehr als dreißig Schüler haben, kann der Stoff im Grunde doch nur über Frontalunterricht vermittelt werden. Selbstorganisation ist also in der Schule gar nicht gefragt. Auch die Motivation vieler Schüler sank ohne das beständige Feedback oder den Druck der Lehrer. So sahen sich viele Eltern gezwungen, selbst Nachhilfe zu geben oder jemanden für die Nachhilfe anzuheuern, wenn die Kinder gar nicht mehr zurecht kamen. Ganz offiziell geht man davon aus, dass sich die Bildungsschere durch die Corona-Krise noch ein weiteres Stück geöffnet hat.

 

Schulalltag

So schrecklich das Home-Schooling für manche Eltern war, so haben sie doch nur einen kleinen Einblick erhalten, welchen Strapazen ihre Kinder in den Schulen ausgesetzt sind. Auch wenn es hier je nach Wohnviertel deutliche Unterschiede gibt, so stammen trotzdem viele Schulgebäude aus den 70iger Jahren. Die Heizungsanlagen und Fenster sind z. T. defekt. Viele Schüler gehen bis zum Nachmittag nicht auf die Toilette, weil sie sich vor den hygienischen Zuständen dort ekeln. Um Vandalismus vorzubeugen, ist kein Toilettenpapier vorhanden. Die Seifenspender, die z. T. erst in der Corona-Krise nachgerüstet wurden, bleiben trotzdem schon wieder leer. Auch das hängt vielfach davon ab, ob es sich um Brennpunktschulen handelt. Während die Lehrer immer mehr Verwaltungsarbeiten zu erledigen haben, fehlt ihnen diese Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Schülern.

 

Wie kann man seinem Kind helfen?

Es ist also mit oder ohne Corona viel nachzuholen. Obwohl Schulen z. T. in den Ferien oder am Nachmittag Aufholstunden anbieten, genügt das vielen Eltern nicht. Denn die Angst, zu den Abgehängten zu gehören, ist groß. Nachhilfe steht schon seit langer Zeit hoch im Kurs. Im Moment boomt gerade auch Online-Nachhilfe, denn mit den Wegen, die man nicht zurücklegen muss, spart man auch kostbare Zeit. Eine Sitzung kann mehrfach angesehen werden, um den Stoff noch einmal zu vertiefen.

Wer sich z. B. im Geometrieunterricht mit einem Parallelogramm beschäftigt, der wird Flächeninhalte, Umfang und Winkel bestimmen müssen. Dies auf einige Meter Entfernung nachzuvollziehen, ist schwierig, wenn ein Lehrer die Aufgabe an der Tafel vorzeichnet, der ganz nebenbei noch die drei Störenfriede aus der ersten Reihe ermahnen muss und vom Gong unterbrochen wird, ehe man die eigene wichtige Frage stellen konnte. Am Computer ist das vielfach leichter. Damit Nachhilfe gelingen kann, müssen aber auch einige Regeln beachtet werden.

Jede Stunde muss vorbereitet sein und die Materialien müssen bereitliegen. Der Schüler muss von dem Gedanken Abschied nehmen, dass der Nachhilfe-Lehrer seine Hausaufgaben erledigt. Er sollte sich wenigstens über seine Defizite bewusst sein, um diese aufarbeiten zu können. Die Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie klare Strukturen vorgeben und für einen eigenen Arbeitsplatz in einer ruhigen Umgebung sorgen.