Mit dem zweiten Kind sieht man alles anders

Mit dem zweiten Kind sieht man alles anders

Mit dem zweiten Kind sieht man alles anders

Gastbeitrag von Anja Polaszewski

1. die Schwangerschaft

Als ich mit unserem ersten Kind schwanger war, führte ich Babyblog. Der Babybauch würde geölt und bekuschelt, wir hörten klassische Musik und schliefen viel. Es war eine entspannte Schwangerschaft. Mit Baby Nummer zwei war alles anders: Weil ich bereits einen Alltag mit Kleinkind zu bewältigen hatte, blieb wenig Zeit, mich mit dem heranwachsenden Kind in meinem Bauch zu beschäftigen oder mich ausgiebig mit ihm zu unterhalten.

 

2. der Nestbautrieb

Was kaufte, hortete und möbelte ich auf, als unser erstes Baby unterwegs war! Irre. Es kamen uns Babybettchen, Kinderwagen, Laufstall und zur Sicherheit noch Fläschchen ins Haus. Alles Dinge, die man im Grunde gar nicht benötigt. Aber das sollte ich natürlich erst später in der Praxis erfahren … All die Anschaffungen blieben bei Kind Nummer zwei aus. Lediglich eine Tragehilfe schaffte ich an – und die war Gold wert.

 

3. die Geburt

Gegen Ende der ersten Schwangerschaft ging es mir richtig gut, ich wusste ja nicht, was mich erwartete. Natürlich hatte ich einen Vorbereitungskurs besucht, hatte gehechelt und gepresst, aber die Realität sah natürlich anders aus … ganz anders. Vor der Niederkunft mit unserem zweiten Sohn hingegen hatte ich Angst. Ich konnte mich zwar nicht mehr an den (ganz bestimmt unsäglichen) Schmerz der Wehen erinnern, doch wohl daran, dass eine Grenzerfahrung für mich war.

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4. das Stillen

Bei diesem Thema scheiden sich ja bekanntermaßen die Geister … Für mich war eines von Anfang an klar: Ich möchte stillen. Aber was habe ich mich beim ersten Kind gestresst. Was habe ich mich deshalb verrückt gemacht, meine Kompetenzen als Mutter infrage gestellt, wenn es nicht so klappte! Ich war verunsichert. Bei Baby Nummer zwei war ich mir sicher: Ich möchte wieder stillen, aber diesmal bitte stressfreier. Zum Glück ging diese Rechnung auf (vielleicht aber nur deshalb, weil ich eben entspannter war).

 

5. das „Co-Sleeping“

Unser erster Sohn wurde gerade erst geboren, da schallte es schon aus allen Ecken und Enden: „Schläft er schon im eigenen Zimmer?“ Äh … „Also, in einem Schlafsack im eigenen Babybettchen ist ja am sichersten. Plötzlicher Kindstod und so.“ Ähm … „Du kannst ihm sanft antrainieren, dass er allein schläft …“ Nein, nein und nochmals nein. Wir haben sie natürlich ausprobiert, die Sache mit dem Babybett. Als der Kleine weinte, haben wir ihn instinktiv sofort wieder zu uns genommen – die richtige Entscheidung. Wer schläft schon gern allein? Beim zweiten Sohn handelten wir sofort, wie der Bauch uns riet: Ab ins Familienbett mit Groß und Klein! (Quizfrage: Hatten Steinzeitbabys eigene Bettchen oder kuschelten sich alle Familienmitglieder eng aneinander?)

 

6. das Zubettbringen

„Irgendwann muss er aber lernen, allein in seinem Bett einzuschlafen.“ Ich korrigiere: Irgendwann wird er es von ganz allein wollen. Und der andere auch. Einen Unterschied gab und gibt es bei unseren Jungs aber doch: Der „Große“ wurde ab dem Alter von zweieinhalb Jahren in seinem Bett in den Schlaf begleitet – um nachts zu uns Eltern zu kommen. (Er hatte für später ein schickes, rotes Autobett von den Großeltern bekommen, da wollte er unbedingt rein!). Baby Nummer zwei muss gar nicht erst wandern: Er schläft da, wo er seine geforderte Elternnähe bekommt. Solange er das möchte – und natürlich wir Eltern.

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7. das Babyschwimmen

Ich erinnere mich noch genau, wie wir mit Baby P. vor über sechseinhalb Jahren motiviert zum Babyschwimmen gingen. Es war eine kleine Runde von fünf Babys mit ihren Eltern, angenehm war das, aber hinterher waren wir alle ziemlich erschöpft. Alles in allem war es eine Erfahrung, die man machen kann, aber irgendwie nicht muss … Als Baby K. geboren wurde, nahmen wir uns vor: Wir gehen wieder zusammen baden, diesmal zu viert. Doch der zweite Knirps hasste das Babyschwimmen, er fing nach einigen Minuten regelrecht das Schreien an. Nach drei Wochen gaben es wir es trotz bereits vollständig bezahltem Kurs auf – und es war gut so für uns alle vier.

 

8. die Süßigkeiten

Müssen doch nicht sein … ? So in etwa hielt ich es mit Nummer eins, und es war recht einfach: P. hatte noch keine Geschwister, er kannte einfach noch keine „klassischen“ Süßigkeiten. Er begnügte sich mit Rosinen, selbstgemixten Smoothies und mit mit zerkleinerten Datteln gesüßten Keksen. Im Kindergarten kam mein Sohn dann auf den Geschmack und fragte explizit nach Süßigkeiten wie Schokolade, Kaubonbons oder Gummibärchen. Das war dann auch in Ordnung für uns Eltern. In Maßen, natürlich, auch das funktionierte ganz gut. Als Kind Numero zwo etwa zehn Monate alt war und seinen älteren Bruder Süßigkeiten naschen sah, wollte er natürlich auch. Die Schokolade war sein.

 

9. die Regeln

„Kindern muss man Grenzen setzen, sie brauchen Rituale.“ Wie oft habe ich diese Worte von älteren Familienmitgliedern gehört. Ganz wichtig finde ich für unsere gesamte Familie das Vorlesen vor dem Schlafengehen. Eine gewisse Reihenfolge im Alltagsablauf lassen sich mit einem ersten Kind wunderbar umsetzen. Kommt ein zweites ins Spiel, funktioniert einiges einfach nicht mehr so oder eben ungeordneter.

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10. das Fernsehen

Zu viel vor der Glotze oder dem Tablet hängen ist schädlich? Ja, dachten wir als junge Erstlingseltern. Und achteten darauf, dass unser Sohn möglichst wenig fernsieht. Beim zweiten Jungen lief es natürlich ganz anders: Er sah bereits im zarten Alter von einem Jahr mit. Und wir Eltern? Entspannen zunehmend, erinnern uns, wie es zu unserer Zeit war: nämlich gar nicht anders.

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