Psychische Belastungen und Auffälligkeiten bei Kindern erkennen

Psychische Belastungen und Auffälligkeiten bei Kindern erkennen

Psychische Belastungen und Auffälligkeiten bei Kindern erkennen

Kinder absolvieren in den ersten Jahren ihres Lebens eine Vielzahl an Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen. In jedem neuen Lebensabschnitt, beispielsweise wenn das Kind in die Kita kommt oder eingeschult wird, müssen die neuen Anforderungen und persönlichen Ressourcen ausgelotet werden. Noch dazu ist eine gelungene Kindererziehung nicht selbstverständlich – auch Eltern sind bisweilen einmal ratlos. Wenn dann noch anderweitige psychische Belastungen wie Umzüge, Schicksalsschläge oder Trennungen hinzukommen, kann es zu einer großen Überforderung kommen. Es gibt verschiedene Warnzeichen, bei denen Eltern besonders aufmerksam sein sollten, da sie auf psychische Probleme hindeuten.

 

Ruhe bewahren und Rat suchen

Machen Sie sich Sorgen um die psychische Gesundheit Ihres Kinders, sollten Sie nicht allzu lange damit warten, professionellen Rat einzuholen. Der erste Ansprechpartner ist hierfür meist der Kinder- und Jugendarzt in Ihrer Nähe. Er kann dann gegebenenfalls an psychologische Psychotherapeuten oder Psychiater überweisen, nachdem körperliche Ursachen für die Symptome ausgeschlossen worden sind. Dabei ist es wichtig, dass Eltern die Ruhe bewahren.

Keinesfalls sollten sie panisch werden oder Ihrem Kind das Gefühl geben, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Verschiedene Ärzte aufsuchen und sich untersuchen lassen zu müssen, bedeutet für die meisten Kinder Stress genug. Auch wenn psychische Erkrankungen häufig noch immer stigmatisiert sind, können viele seelische Leiden heutzutage gut therapiert werden. Besonders eine frühzeitige Diagnosestellung und fachkundige Behandlung vergrößern die Chancen, dass Ihr Kind mit der Zeit lernen wird, die Symptome in den Griff zu bekommen.

 

Bei diesen Anzeichen sollten Sie hellhörig werden

So wie bei Erwachsenen psychische Leiden sich sehr unterschiedlich ausdrücken können, so variieren Symptome häufig auch von Kind zu Kind. Hinzu kommt, dass nicht alle Symptome nach außen gerichtet und somit sichtbar sind. Manche finden eher im Inneren statt und werden aus diesem Grund schwerer bemerkt. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn Sie ein verändertes Verhalten an Ihrem Kind bemerken, welches plötzlich und ohne ersichtlichen Grund aufgetreten ist. Noch dazu, wenn dieses Verhalten mit einem Leidensdruck oder einer Selbst- beziehungsweise Fremdgefährdung einhergeht. Folgende Symptome können auf psychischen Erkrankungen hinweisen oder zumindest ein Zeichen von seelischem und emotionalen Stress sein:

  • Andauernde Traurigkeit und Niedergeschlagenheit
  • Schlafstörungen, Alpträume oder Enuresis, nachdem das Kind bereits trocken gewesen war
  • Zwanghaft wiederholte Handlungen wie Waschen, Kontrollieren oder Zählen
  • Schweigen (Mutismus), obwohl das Kind organisch in der Lage ist zu sprechen
  • Selbstverletzendes Verhalten
  • Extreme Schüchternheit
  • Mangelnde Aufmerksamkeit und die Unfähigkeit, sich zu konzentrieren
  • Starker Gewichtsverlust oder starke Gewichtszunahme
  • Muskelzucken, Grimassen schneiden, unkontrollierte Laute und Tics
  • Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit
  • Hyperaktivität und die Unfähigkeit, still zu sitzen
  • Sozialer Rückzug
  • Ängstlichkeit, Panik
  • Aggressives Verhalten

 

Ein Symptom macht keine Störung

Etwa ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen ist von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Tendenz über die letzten Jahre scheint eher steigend zu sein, was mit einem zunehmenden Leistungsdruck in Schule und Privatleben begründet wird. Besonders häufig scheinen hierbei Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizitsstörungen und Depressionen aufzutreten, wobei Mädchen generell stärker betroffen sind als Jungen.

Dabei ist jedoch immer zu beachten, dass Kinder sehr unterschiedlich sind. Schüchternheit, ein zurückhaltendes Verhalten und eine sozial weniger zugängliche Art können grundsätzlich auch für ein sensibles und introvertiertes Temperament sprechen und sollten keinesfalls pathologisiert werden. Manchmal tritt ein Symptom auch im Zuge einer besonders aufwühlenden oder herausfordernden Entwicklungsphase auf und verschwindet später wieder von selbst. Doch machen Sie sich auch bewusst, dass beinah jedes Kind irgendwann einmal problematisch auffällt.

Auch das gehört zu Kindheit und Jugend dazu und ist in gewissem Maße eher die Normalität als die Ausnahme. Scheuen Sie sich jedoch nicht, im Zweifel fachkundiges Personal zu Hilfe zu ziehen, um mögliche Symptome abzuklären.