Hilfe meine Tochter ist bisexuell – ein Ratgeber zu mehr Gelassenheit

Hilfe meine Tochter ist bisexuell - ein Ratgeber zu mehr Gelassenheit

Hilfe meine Tochter ist bisexuell – ein Ratgeber zu mehr Gelassenheit

Wenn die Tochter eröffnet, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt, kann das im ersten Moment ein Schock sein. Gedanken, wie man als Eltern damit umgeht, was die Gesellschaft und der Umkreis dazu sagen wird bis hin zu Selbstvorwürfen, kommen dabei auf. Wie man damit umgeht und gelassen zur Situation steht, erfahren Sie hier.

Meine Tochter ist lesbisch oder bisexuell – Warum?

Das große Warum ist wohl die erste Frage, die sich Eltern stellen. Doch dieses Warum ist meist nicht zu beantworten. Es ist einfach so. Bisexuell oder lesbisch sein ist keine Frage der Erziehung oder des Umfelds. Es bedeutet einfach, dass sich die eigene Tochter zum weiblichen Geschlecht hingezogen fühlt. Dieser Gedanke ist sicherlich nicht sofort in Ordnung, zumal wenn man selbst heterosexuell ist und das gegenteilige Geschlecht anziehend findet. Und das nicht schlimm. Wichtig ist Akzeptanz.
Und selbst diese ist sehr oft nicht sofort vorhanden. Bedenken Sie jedoch, dass das Coming Out – das offene Gespräch über die eigene Sexualität – für Ihre Tochter ein großer Schritt war, der wahrscheinlich mit Angst und Scham behaftet ist. Sie als Eltern verspüren vielleicht ähnliche Gefühle.

Akzeptanz durch Kommunikation

Ist erst einmal auf dem Tisch, dass das eigene Kind lesbisch oder bisexuell ist, fällt das sofortige akzeptieren oftmals schwer. Und damit sind Sie nicht allein. Viele Eltern können nicht sofort verstehen und annehmen, dass sich die Tochter zu Frauen hingezogen fühlt.

Damit sich Akzeptanz aufbauen kann, brauchen Sie vor allem eins: Den Mut und die Offenheit zur Kommunikation. Vielleicht benötigen Sie als Eltern nach dem Coming Out zunächst etwas Zeit. Teilen Sie dies ruhig mit, aber finden Sie dabei Worte, die nicht ablehnend ankommen.

Lesbisch oder bisexuell sein – sich dies einzugestehen und den eigenen Eltern mitzuteilen, dauert oft sehr lange Zeit, so die Macher von Big Booty Fish. Seien Sie sich also bewusst, dass Ihre Tochter Ihnen großes Vertrauen und Liebe entgegenbringt, weil sie diesen Schritt macht.

Die Liebe zu Ihrem Kind ist es, die benötigt wird. Spürt Ihre Tochter, dass sie nicht auf Ablehnung oder gar Liebesentzug stößt, weil sie sich Frauen hingezogen fühlt, ist dies bereits eine wichtige und gute Basis für weitere Gespräche.

Haben Sie sich Zeit genommen, um das Coming Out für sich zu begreifen, werden sicher weitere Fragen aufkommen. Und ihre Tochter wird es Ihnen danken, wenn Sie diese auch stellen. Denn genau das zeigt ihr, dass Sie als Eltern sich für ihr Kind interessieren. Das Sie sich mit der Situation auseinandersetzen und verstehen möchten, was das Ganze für Ihre Tochter bedeutet.
Dadurch bekommen Sie ein besseres Verständnis und die Akzeptanz kann nach und nach entstehen.

Lesbisch, bisexuell – Die Unterschiede

Ist Ihre Tochter lesbisch, so fühlt sie sich rein zu Frauen hingezogen. Das bedeutet, dass sie sowohl sexuelles Verlangen als auch tiefe Gefühle der Liebe für das gleiche Geschlecht empfindet. Männer findet sie dabei nicht anziehend. Das kann auch dann der Fall sein, wenn das eigene Kind im Vorfeld Beziehungen zu Männern geführt hat. Denn der Prozess, die eigene Sexualiät zu erkennen und auch auszuleben, zieht sich oft über lange Zeit hin.

Bisexuell hingegen stellt die Anziehung zu beiden Geschlechtern dar. Was bedeutet, dass sich Ihre Tochter sowohl zu Männern als auch Frauen in sexuellen und Liebesdingen hingezogen fühlt.

„Das ist sicher nur eine Phase“

Der Gedanke – oder eher die Hoffnung vieler Eltern nach dem Coming Out – ist, dass es sich um eine Phase bei der sexuellen Findung handelt. Doch die sexuelle Orientierung ist keine Phase. Selbst ohne sexuelle Vorkenntnisse und Erfahrungen spüren auch schon Kinder und junge Erwachsene, zu welchem Geschlecht sie sich hingezogen fühlen.

Bisexuell oder lesbisch sein ist keine Krankheit oder eine anerzogenene Gegebenheit. Viele Eltern fragen sich dennoch, ob die „Schuld“ an der sexuellen Orientierung bei ihnen selbst liegt.
Doch dem ist nicht so. Ihre Tochter fühlt sich nicht zum gleichen Geschlecht hingezogen, weil Sie vielleicht alleinerziehend sind, selbst in einer Regenbogenfamilie leben oder wechselnde Liebschaften hatten. Die eigene Sexualität ist was sie ist. Sie ist einfach da. Und jede Form davon ist natürlich.

Hilfe für Eltern ist keine Schande

Wenn Sie sich mit dem Coming Out Ihrer Tochter überfordert fühlen, nicht wissen, wie Sie sich verhalten können oder die Situation einfach nicht verstehen, scheuen Sie sich nicht Hilfe zu suchen. Die kann beim Partner oder bei Freunden liegen, mit denen Sie offen sprechen können. Doch auch Beratungsstellen bieten entsprechende Angebote an. Und Sie sind keineswegs schlecht, wenn Sie ein solches Angebot annehmen. Im Gegenteil. Auch dieser Schritt zeigt, dass Sie Ihre Tochter lieben und verstehen möchten, was lesbisch oder bisexuell bedeutet.

Die Sorge um Diskriminierung

Schule, Freundeskreis, Beruf – wird Ihr Kind all das unbeschadet schaffen? Auch diese Frage stellt sich nach einem Coming Out der Tochter häufig. Und sie zeigt deutlich, dass Sie Ihr Kind liegen und das Beste wollen.

Positiv zu erwähnen ist, dass sich die Zeiten langsam etwas ändern. Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, werden nicht mehr gemobbt, ausgegrenzt und verstoßen. Sie gehören zur Gesellschaft dazu. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die Homosexualität feindlich gegenüberstehen.

Und Ihre Tochter wird davor nicht gänzlich geschützt sein. Wichtig ist hier der Rückhalt ihrer Familie. Wenn Ihr Kind lesbisch oder bisexuell ist und mit Ablehnung oder gar Hass konfrontiert wird, seien Sie ihm eine Stütze. Stehen Sie hinter Ihrem Kind, kann sich Ihre Tochter die Stärke bewahren, auch schwierige Situationen zu meistern und über solchen Angriffen zu stehen. Natürlich sind bei Diskriminierung und Beanchteiligung auch andere Wege einzuschlagen. So sollte sich in diesem Fall an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes oder eine gleichwertige Stelle gewandt werden.