“Mama, ich bin lesbisch” – das coming out der Tochter

“Mama, ich bin lesbisch” – das Coming out der Tochter

Wie heißt es oftmals – die Liebe ist ein seltsames Spiel. Die Liebe ist nicht rational oder logisch zu erklären. Vielmehr ist die Liebe ein wunderschönes Gefühl und kann sich entweder langsam entwickeln, oder uns wie ein Blitz treffen. Wann, wo und in wen wir uns verlieben ist jedoch nicht bewusst zu steuern. Ratgeber rund um das Thema Liebe gibt es viele und noch immer gilt das Bild von Mann und Frau in einer glücklichen Beziehung für viele als Ideal und gleichgeschlechtliche Liebe als “unnatürlich”. Daher ist auch die lesbische Liebe leider ein heikles Thema.

Wir möchten aber, dass jeder leben und lieben kann, wie er möchte und geben im Folgenden Einblicke und Ratschläge rund um das Thema, wie es ist, eine lesbische Tochter zu haben.

 

Das Coming out – unsere Tochter ist lesbisch – was nun?

Das Coming out ist wohl einer der schwierigsten, aber auch entscheidenden Momente im Leben einer jungen Frau, die spürt, dass sie sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt.

In diesem Moment zeigt sich, ob die Familie die neue Situation annimmt und es werden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Daher schon einmal vorab: Nehme dich zurück und handel bitte nicht vorschnell! Ein falsches Wort kann eure Familie für lange Zeit entzweien.

Für deine Tochter ist die Situation sehr emotional und kompliziert, deshalb ist es wichtig, dass du ihr von Beginn des Gesprächs an direkt das Gefühl von Sicherheit gibst und das Wort ihr überlässt. Falle ihr nicht ins Wort, oder in eine Argumentation, dass es nur eine Phase sei oder ähnliches. Deine Tochter weiß am allerbesten, wie es ihr aussieht und wie sie leben und lieben möchte.

Lass sie alles loswerden, was sie dir sagen möchte und höre ganz genau zu. Lass die Worte auf dich wirken und antworte erst, wenn du wirklich dazu bereit bist. Vorwürfe oder Schuldgefühle haben in diesem Gespräch nichts zu suchen und auch wenn du selbst mit der Situation überfordert sein solltest, ist es wichtig, ruhig und einfühlsam deinem Kind gegenüber zu bleiben.

Wenn du das Gefühl hast, ein wenig Zeit für dich zu brauchen, um alles sacken zu lassen, ist auch das vollkommen in Ordnung. Mache einfach deutlich, dass du deine Tochter liebst und gerne am nächsten Tag nochmals in Ruhe mit ihr sprechen möchtest. Sie wird es sicher verstehen und dir die Zeit geben.

 

Mein kleines Mädchen ist lesbisch – habe ich etwas falsch gemacht?

Um eines direkt klar zu sagen: Schuldgefühle und Vorwürfe sind in jegliche Richtung unsinnig und sollten daher auch kein Thema sein. Denn wie schon gesagt, es kann sich niemand aussuchen, wen er oder sie liebt. Auch die Erziehung entscheidet nicht darüber, ob das Kind lesbisch wird, oder nicht.

Die Genetik ist angeboren und auch genau richtig wie sie ist. Du brauchst dir keine Schuldgefühle zu machen, oder gar deinem Kind. Vielmehr ist es wichtig, besonders am Anfang, dass du deiner Tochter sehr offen gegenüber bist und ihr deine Gefühle ehrlich, aber dennoch einfühlsam erklärst.

Es ist normal, dass Eltern unsicher sind und auch Ängste haben, wie das Kind in der Umwelt wahrgenommen wird. Aber eine starke Familie schafft diese Hürden und nach einiger Zeit ist auch diese neue Situation wieder ganz normal und alltäglich.

 

Fazit

Abschließend solltest du dir einfach immer vor Augen führen, dass das Coming out für beide Seiten keine leichte Situation darstellt. Dein Kind wird bereits Monate oder Jahre über dieses Gespräch nachgedacht haben, welches über den Verlauf des weiteren Lebens entscheidet.

Dein Kind, ob lesbisch oder nicht, braucht in schweren Situationen deinen Halt. Daher verschwende deine Kraft nicht an unsinnige Schuldgefühle, sondern nutze sie, um deine Tochter zu unterstützen.

Zeige ihr, dass du mit ihrer Entscheidung leben kannst und dich im besten Fall sogar darüber freust. Nehme dir die Zeit, die du brauchst, bevor du voreilig vielleicht Dinge sagst, die nicht mehr zurückgenommen werden können. Denn im Grunde ist es doch völlig egal, wen man liebt, oder was andere Menschen denken mögen.

Wenn die Familie zusammenhält, schafft man alles und kann ein glückliches Leben führen.