Kinder müssen spielen: Warum das so essenziell ist

Kinder müssen spielen: Warum das so essentiell ist

Kinder müssen spielen: Warum das so essenziell ist

Kinder spielen mit Autos und Puppen, mit Steinen und Dosen, oder einfach mit sich selbst. Schon durch diese geringen Ansprüche zeigt sich: Spielen ist essenziell. Das hat eine ganze Menge Gründe. Denn wer spielt, der lernt auch – lernt sich selbst kennen, lernt andere Menschen kennen und lernt die Welt kennen.

Kinderrechte: Jedes Kind muss spielen dürfen

Seit 1989 ist das Recht auf Spielen in der UN-Kinderrechtskonvention festgesetzt. Das ist auch völlig logisch: Es ist ein Grundbedürfnis. Spielen erlaubt es Kindern, Antworten auf wichtige Fragen zu finden, die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Das beginnt bereits im Alter von wenigen Monaten: Mithilfe von Aufziehspielzeug können Babys zum Beispiel Musik produzieren, indem sie an einer Schnur ziehen. Dadurch erkennen sie, dass sie selbst etwas auslösen und selbstwirksam handeln können. Schon in einem so jungen Alter ist diese Erkenntnis weltverändernd und stärkt das Selbstbewusstsein nachhaltig.

Spielen fördert die soziale Kompetenz

Wenn Kinder spielen, tun sie das meistens nicht alleine. Geschwister, Mitschüler und Eltern werden eingebunden, wo immer es geht – oft ist das auch gar nicht anders möglich. Dadurch stärken sie ihre sozialen Fähigkeiten. Kinder, die miteinander spielen, müssen sich auch miteinander absprechen, einander durch Kompromisse entgegenkommen und den einen oder anderen Konflikt bewältigen. Außerdem schafft das gemeinsame Spielen einen Raum, die Lebenswelt der anderen Kinder kennenzulernen, sodass die Kinder verstehen, dass nicht jeder gleich ist und Menschen unterschiedliche Bedürfnisse und Ansichten haben.

Spielen hilft, Probleme zu lösen

Babys benutzen unterschiedliches Babyspielzeug, um verschiedene Möglichkeiten auszutesten. Durch Versuchen, Scheitern und Üben ergeben sich neue Erkenntnisse und Lösungsansätze: Stapelt das Kind Bauklötzer aufeinander, wird es schnell bemerken, dass diese bei einigen Strategien schneller wieder in sich zusammenfallen als bei anderen. Es versucht dann, einen anderen Ansatz zu konstruieren, um das Problem zu umgehen.Kinder müssen spielen: Warum das so essentiell ist

So hilft das Spielen dem Baby bzw. dem Kind, neue Denkmuster zu entwickeln und diese auf bestimmte Probleme anzupassen, die es dann später besser bewältigen kann. Es lernt also: Wenn ich einer Hürde gegenüberstehe, bin ich in der Lage, Wege zu finden, um diese zu überwinden. Zudem trainiert das Spielen auch die Konzentrationsfähigkeit, die in heutigen Diskussionen oft zu tragen kommt, da viele Kinder unter Konzentrationsmangel leiden. 

Spielen verbessert die Frustrationstoleranz

Viele Eltern kennen die Resignation oder die Wut, die sich bei Kindern einstellt, wenn sie ein Spiel verloren haben. Ab und an zu verlieren ist aber dringend notwendig: Nur so können Kinder lernen, mit Rückschlägen umzugehen, sie entwickeln Ausdauer und den Anspruch, sich nicht unterkriegen zu lassen. Behalten Sie im Hinterkopf, dass ein gelegentlicher Wutausbruch einfach dazugehört und dass die Frustrationstoleranz Ihres Kindes mit jedem Versuch steigen wird.

Spielen bereitet Kinder auf das Leben vor

Zuletzt können Kinder in Rollenspielen verschiedene Szenarien austesten, ohne dabei Gefahr zu laufen, dass wirklich etwas schiefgeht. Anfangs handelt es sich noch um alltägliche Situationen wie zum Beispiel das Einkaufen, die verinnerlicht werden müssen, im Schulalter erproben die Kinder dann den Umgang mit sich selbst und anderen Menschen. Sie befinden sich mal in der Rolle des Königs und mal in der des Untergebenen, mal in der des Guten und mal in der des Bösen. So helfen Rollenspiele Kindern beim Verstehen, schärfen ihren Blick für verschiedene Perspektiven und bereiten sie darauf vor, Erkenntnisse aus dem Spiel in der Realität anzuwenden.

Kinder brauchen beim Spielen ihre Eltern

Natürlich benötigen Kinder einen gewissen Freiraum beim Spielen. Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag in Ruhe gelassen werden wollen. Stattdessen fördert es die Kinder, wenn Sie als Eltern sich für das interessieren, was es spielt und erschaffen hat. Lassen Sie die Handlungen Ihres Kindes auf ein Echo stoßen, indem Sie Fragen zum Spiel stellen, Lob aussprechen und das neueste Bauwerk von allen Seiten begutachten. Durch solch eine Resonanz fühlen sich Kinder angespornt, auch in Zukunft weiterhin kreativ zu sein und ihre Ideen offen auszuleben.

Bewegung und Naturnähe: Spielräume im Freien schaffen

Spielen fördert natürlich auch die körperlichen Fähigkeiten Ihres Kindes. Kinder, die sich viel bewegen, haben später mehr Spaß am Sport, sind motorisch geschickter, fitter und emotional ausgeglichener. All das entwickelt sich umso besser, je öfter Sie mit dem Kind nach draußen gehen.

Damit es für die Kinder nicht langweilig wird, empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen Orte zu besuchen, die sie noch nicht kennen. Das kann ein Wald oder See sein, aber auch einfach ein Spielplatz in einem anderen Stadtteil. Eine fremde Wippe ist zwar immer noch eine Wippe, aber dennoch deutlich interessanter als die, auf der das Kind jeden Tag sitzt.

Eltern sollten sich außerdem vor Augen führen, dass sie nicht immer dasselbe als einen guten Spielraum erkennen wie ihre Kinder. Es muss nicht immer die idyllischste Wiese oder der größte Indoorspielplatz sein. Oft kommen Kinder mit viel weniger zurecht und finden auch in einem Hinterhof oder einem Park außergewöhnliche Möglichkeiten zum Entdecken, Erleben und Austoben.

Und wie bewältige ich das Chaos im eigenen Haus?

Wenn Kinder ihre Umgebung entdecken, bedeutet das auch, dass sie sie anfassen – Dinge öffnen, Dinge umdrehen, die gegebene Ordnung verändern. Daher sollten Sie zumindest in der Kleinkindphase ruhig einen Gang zurückschalten. Haben Sie nicht den ständigen Anspruch an sich, alles ordentlich zu halten, sondern erlauben Sie ein mäßiges Chaos. So reduziert sich auch Ihr Stresslevel.

Sie können Ihre Kinder ab einem bestimmten Alter bei Haushaltsaufgaben auch mithelfen lassen. Hierbei lassen sich einige Aufgaben als ein Spiel darstellen und das Erreichen des Ziels wirkt gleich wie eine intrinsische Motivation. 

Natürlich können und sollten Sie trotzdem Grenzen ziehen, auch zur Sicherheit Ihrer Kinder. Setzen Sie von Anfang an Regeln fest und benennen Sie Dinge, die zum Beispiel nur draußen oder im Badezimmer erlaubt sind. Bewahren Sie wertvolle oder gefährliche Gegenstände außerhalb der Reichweite des Kindes auf. So kann nichts mehr schiefgehen – und das Kind kann sich so ausleben wie nötig ist, um zu einem starken und glücklichen Menschen heranzuwachsen.