Künstliche Befruchtung – So kann sich der langersehnte Kinderwunsch doch noch erfüllen

künstliche Befruchtung
Welche Methode der künstlichen Befruchtung für ein Paar am besten geeignet ist, hängt von den Ursachen für die Unfruchtbarkeit ab, die der Arzt im Vorfeld eingehend untersucht.

Künstliche Befruchtung – So kann sich der langersehnte Kinderwunsch doch noch erfüllen

Nicht immer kann die Zeugung eines Kindes auf natürlichem Weg erfolgen. In Deutschland steht etwa jedes sechste Paar vor diesem Problem. Doch muss es deswegen die Hoffnung nicht gleich aufgeben, da die Wissenschaft eine Alternative bereithält. Es ist die künstliche Befruchtung oder assistierte Reproduktion (ART), wie sie in der Fachsprache genannt wird. In diesem Beitrag erklären wir, welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung es gibt, wie sie durchgeführt wird und mit welchen Kosten zu rechnen ist. Natürlich gehen wir auch auf die Frage ein, ob die Krankenkassen einen Teil oder die gesamten Kosten übernehmen.

Welche Methode der künstlichen Befruchtung für ein Paar am besten geeignet ist, hängt von den Ursachen für die Unfruchtbarkeit ab, die der Arzt im Vorfeld eingehend untersucht.
Nachfolgend stellen wir die verschiedenen Befruchtungsverfahren vor und klären auf, wie sie ablaufen.

 

Wie wird eine künstliche Befruchtung durchgeführt?

Für eine künstliche Befruchtung kommen, je nach individueller Situation, vier Möglichkeiten in Frage:

  • Samenübertragung (Intrauterine Insemination)
  • In-vitro-Fertilisation (IVF)
  • Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
  • TESE und MESA

In anderen europäischen Ländern werden noch weitere Methoden angewendet, die in Deutschland allerdings verboten sind. Zu ihnen zählt zum Beispiel die Präimplantationsdiagnostik. Bei diesem Verfahren werden die künstlich befruchteten Embryonen genetisch untersucht, bevor sie in die Gebärmutter eingebracht werden. Allerdings ist das nur in Ausnahmefällen erlaubt. Andere in Deutschland nicht zugelassene Methoden sind: Implantation von mehr als drei Embryonen, Einfrieren oder Weiterkultivieren von bereits geteilten Embryonen, Klonen, Veränderung der Erbinformation oder Auswahl nach Geschlecht.

 

Nachfolgend gehen wir nun auf die vier Verfahren ein, die in Deutschland erlaubt sind.

Intrauterine Insemination

Diese Methode wird häufig angewendet, wenn beim Partner zu wenige oder nicht ausreichend bewegliche Samen vorhanden sind. Die Samenübertragung ist das einzige Verfahren, bei dem die Befruchtung im Körper der Frau stattfindet. Es greift daher am wenigsten in die natürlichen Abläufe ein und stellt eine vergleichsweise geringe Belastung dar. Nachdem die Frau eine Hormonbehandlung zur Stimulation des Eisprungs erhalten hat, werden die aufbereiteten Samenzellen des Mannes direkt in die Gebärmutter übertragen. Die Intrauterine Insemination besitzt eine durchschnittliche Erfolgsquote von 5 bis 10 Prozent pro Versuch. Es sind oft einige Übertragungen notwendig. Die Erfolgsaussicht auf eine Schwangerschaft liegt am Ende bei 10 bis 30 Prozent.

 

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Wie der Name bereits verrät, werden Samen und Eizelle außerhalb des Körpers in einem Reagenzglas vermischt. Auch dieser Methode geht eine Hormonbehandlung bei der Frau voraus. Wenn im Reagenzglas eine Befruchtung stattfindet, wird der Embryo in die Gebärmutter eingebracht. Nicht in jedem Fall nistet sich der Embryo jedoch dort ein. Daher werden häufig zwei bis drei Embryonen übertragen. Dabei beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft etwa 20 Prozent. 25 bis 30 Prozent der IVF-Behandlungen sind von Erfolg gekrönt. Die Rate der Lebendgeburten liegt bei 15 bis 20 Prozent.

 

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Diese Methode ist eine spezielle Form der IVF und wird angewendet, wenn die Befruchtung von Spermien und Eizellen aufgrund einer stark eingeschränkten Zeugungsfähigkeit im Reagenzglas nicht funktioniert. Bei der ICSI erhält die Frau zunächst eine Hormonbehandlung. Danach werden ihr Eizellen entnommen. Die Ärzte injizieren in die Eizelle eine einzelne, gut ausgesuchte Samenzelle. Wenn die Befruchtung im Reagenzglas gelingt, werden bis zu drei Embryonen in die Gebärmutter eingebracht. Die ICSI-Variante der künstlichen Befruchtung ist für etwa 20 Prozent der Paare erfolgversprechend.

 

TESE und MESA

Ausgeschrieben heißen diese Methoden „Testikuläre Spermienextraktion“ und „Mikrochirurgische Epididymale Spermienaspiration“. Wenn sich in der Samenflüssigkeit des Mannes keine Samenzellen befinden, sind zwei operative Eingriffe möglich. Bei der TESE werden die Spermien aus den Hoden entnommen, bei der MESA aus den Nebenhoden. Anschließend erfolgt die ICSI.

 

Was kostet eine künstliche Befruchtung?

Die Kosten für eine Intrauterine Insemination sind abhängig davon, ob es sich um eine „Insemination ohne Hormonstimulation“ oder um eine „Insemination mit Hormonstimulation“ handelt. Bei der ersten Methode müssen Sie mit etwa 200 Euro rechnen, beim zweiten Verfahren mit rund 1.000 Euro.

Für die IVF und ICSI ist mit 3.000 Euro pro Zyklus zu rechnen. Die Kosten für eine TESE oder MESA variieren zwischen den Kliniken und liegen zwischen 800 und 1.500 Euro.

 

Welche Krankenkasse zahlt die künstliche Befruchtung zu 100 Prozent?

Die gute Nachricht ist, dass die Krankenkassen die Kosten für jede Art der künstlichen Befruchtung teilweise oder komplett übernehmen. Eine Kostenübernahme von 100 Prozent bieten zur Zeit folgende Krankenkassen: IKK Nord, BKK Pfaff, Bahn BKK und BKK exklusiv. Da sich die Leistungen von Krankenkassen ändern können, ist es wichtig, sich vorab beraten zu lassen.

Es ist zu beachten, dass bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Anspruch auf eine Kostenübernahme zu haben:

  1. Das Paar, das sich für eine künstliche Befruchtung entscheidet, muss verheiratet sein.
  2. Die Eizellen und Samenzellen müssen von den Ehepartnern stammen.
  3. Es muss ein HIV-Test durchgeführt werden. Die Frau benötigt einen umfassenden Impfschutz, vor allem vor Röteln, Keuchhusten und Windpocken.
  4. Das Mindestalter beider Partner muss 25 Jahre betragen. Die Frau muss jünger als 40 Jahre und der Mann jünger als 50 Jahre sein.
  5. Das Paar muss sich über die künstliche Befruchtung ausführlich beraten lassen.

 

 

Wann kommt eine künstliche Befruchtung infrage?

Wenn eine Befruchtung auf natürlichem Wege nicht geht, ist für viele Paare mit sehnlichem Kinderwunsch die künstliche Befruchtung die einzige Alternative. Sollte jedoch eine vollkommene Zeugungsunfähigkeit bei einem der Partner bestehen, ist auch eine Befruchtung auf künstlichem Weg nicht möglich.

Nicht nur heterosexuelle Paare können eine künstliche Befruchtung durchführen lassen. Auch lesbischen Paaren oder alleinstehenden Frauen bietet sich diese Möglichkeit, wenn sie entsprechende Samenspender finden.

 

Wie lange dauert eine Kinderwunschbehandlung?

Auf jeden Fall ist bei der Kinderwunschbehandlung Geduld gefragt. Die erste Phase ist die Hormonstimulation bei der Frau. Zunächst wird hierfür der natürliche Zyklus hormonell unterdrückt, um während der darauffolgenden Hormontherapie die Eizellreifung besser kontrollieren zu können. Diese erste Phase nennt sich Downregulation.

Etwa 14 Tage später erhält die Frau hormonelle Medikamente, welche die Reifung der Eizellen wieder anregen. Sobald die Eizellen befruchtungsfähig sind, wird die Einnahme der Hormone beendet und der Frau eine eisprungauslösende Spritze mit Ovitrelle gegeben. 36 Stunden danach werden die Eizellen mit einer feinen Nadel über die Scheide dem Körper entnommen. Dieser Eingriff wird Punktion genannt und läuft selbstverständlich unter einer kurzen Vollnarkose ab.

Die Eizellen werden nun mit dem Sperma, das der Mann liefert, in einer Nährflüssigkeit zusammengebracht. Nachdem eine Befruchtung stattgefunden hat, wird der Embryo in die Gebärmutter eingebracht. Nun heißt es etwa 2 Wochen warten, bis festgestellt werden kann, ob die Frau schwanger ist.

 

Wie lange dauert Ergebnis nach künstlicher Befruchtung?

Zuverlässige Aussagen, ob eine Schwangerschaft nach der künstlichen Befruchtung vorliegen, sind frühestens 9 bis 10 Tage nach Transfer des Embryos möglich. Bei einem Blastozystentransfer verkürzt sich die Zeit auf 7 Tage. Ein Schwangerschaftstest gibt ab dem 14. Tag nach der Insemination verlässliche Ergebnisse.

Wann muss nach Ovitrelle punktiert werden?

Sobald die Eizellen befruchtungsfähig sind, wird die Einnahme der Hormone beendet und der Frau eine eisprungauslösende Spritze mit Ovitrelle gegeben. 36 Stunden danach werden die Eizellen mit einer feinen Nadel über die Scheide dem Körper entnommen. Dieser Eingriff wird Punktion genannt und läuft unter einer kurzen Vollnarkose ab.

 

Wie hoch sind die Chancen bei einer künstlichen Befruchtung?

Bei der Insemination liegt eine 10-25 prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bei der ersten Behandlung vor. Die IVF hat eine Erfolgsquote von mehr als 30 Prozent und Eizellspenden können, abhängig von Samenqualität, Behandlungsmethode und Körperreaktion Erfolgsquoten von 70 Prozent verzeichnen.